Erdbeeren, Kartoffeln und regenerative Energie – auf diesen Erzeugnissen fußt der Betrieb von Gunnar Söth im windreichen Nordfriesland. Damit verbergen sich spannende Bereiche hinter dem breiten Verkaufssortiment auf dem Markt, von dem die Kunden wenig ahnen, aber indirekt teilhaben. Denn wie wir morgen leben werden, ist auch eine Energiefrage.
Wer mit Gunnar Söth über seinen Hof geführt wird, erlebt zweierlei: Da ist ein Macher, der mit großer Weitsicht, Engagement und Effizienz seinen Betrieb entwickelt und in eine aussichtsreiche, von vielen Kooperationen geprägte Zukunft führt. Auf der anderen Seite genießt man die Gesellschaft eines entspannten Kerls, der sich als begeisterter Familienvater Zeit für seine drei Kinder nimmt, Sport und Freizeit genießt, Scheunenpartys ausrichtet und den Mitarbeitern viele Gestaltungsfreiräume lässt. Wie kriegt der das alles bloß hin?
Nicht zu vergessen das Hoffest zur Erdbeerzeit Ende Juni. Auf 3 ha baut Gunnar Erdbeeren an – insgesamt 25.000 Pflanzen von drei Sorten. Mit der Ernte sind bis zu 30 Leute über drei Wochen gut beschäftigt. Wenn man alles in Pfundschalen abfüllen würde, ergäben das 60.000 Schalen. Über die Hälfte geht jedoch direkt an den benachbarten Betrieb Zwergenwiese, der daraus aromatische Fruchtaufstriche herstellt. Diese langfristige Partnerschaft gibt dem Betrieb Kalkulationssicherheit. In Planung ist sogar eine Ausweitung der Kooperation: Gunnar soll auf dem Betriebsgelände von Zwergenwiese direkt Erdbeeren anbauen. Worüber sich bestimmt auch deren Mitarbeiter freuen werden!
Acht Sorten Kartoffeln baut Gunnar auf 25 ha an. Vor allem Frühkartoffeln wie Leila oder Sieglinde, die Kartoffel des Jahres 2010. Die sind bei Verbrauchern beliebt wegen der zarten Schale – erfordern deshalb aber auch sehr schonende Behandlung. Bei der Ernte auf dem Kartoffelroder und ein zweites Mal in der Halle werden die Kartoffeln von Hand nach Größe und Qualität sortiert. Die besten Kartoffeln seiner insgesamt 260-t-Ernte verkauft Gunnar direkt an seinem Marktstand und beliefert damit seine anderen Marktpartner. Eine große Charge geht an den Naturkostgroß- und Einzelhandel. Was nicht als Lebensmittel verkauft wird, nimmt ein Biolandbauer ab, der damit seine Milchkühe füttert. Einen Teil liefert er auch an Discounter über eine Vermarktungsgesellschaft. Da ist Gunnar undogmatisch: "Die Leute sollen an jeder Ecke Bioware kaufen können." Als Bauer weiß er aber: "Man ist auch ruckzuck in den Fängen von den Großen." Deshalb will er die Direktvermarktung in der Region weiter ausbauen, auch über den Abokistenservice, den sein Bruder vom Hof aus betreibt.
Dass Gunnar wenig Ernteausfälle durch die gefürchtete Braunfäule hat, erreicht er mit einer Verfrühungsmaßnahme: Er keimt die Kartoffeln in einem warmen und dunklen Raum vor, dann gehen sie vier Wochen ins helle Gewächshaus. Wenn sie schließlich gepflanzt werden, haben sie mindestens zwei Wochen Entwicklungsvorsprung vor den regulär gesetzten Knollen. Das reicht, um der Krautfäule zuvorzukommen und bringt so 20 - 50 % mehr Ertrag.
Um die Bodengesundheit und -fruchtbarkeit zu erhalten, baut Gunnar Kartoffeln jedes Jahr auf anderen Flächen an. Die hofeigenen 27 ha und zugepachteten 13 ha reichen dafür nicht aus, aber das macht nichts. Er kooperiert mit dem Nachbarbetrieb Backensholz, der mehrere 100 ha bewirtschaftet. Die beiden Betriebe bearbeiten wechselseitig auch die Flächen des Partners, so kann Gunnar dem Boden jeweils eine großzügige Kartoffelpause von 7–8 Jahren gönnen, in denen dann Getreide, Gras und Futtermais angebaut werden.
Auf 2–3 ha pflegt Gunnar einen vielfältigen Feldgemüseanbau. Die Palette für den Markt ergänzt er dann noch durch Zukauf bei weiteren regionalen Biobetrieben.
Um die 20 Schafe und vier Pferde kümmert sich Gunnars Frau. Das Lammfleisch vermarktet er über die Abokiste und den Öko-Wochenmarkt.
Seinen selbsterzeugten Strom trägt er ebenfalls zu Markte, allerdings anonym übers allgemeine Stromnetz. Seine acht Windräder erzeugen 17 Megawatt Strom im Jahr. "Mit diesen acht Windrädern können wir halb Husum versorgen", ruft Gunnar in die frische Brise. "Bei mittlerem Wind produziert eine Anlage allein in 3–4 Stunden den Jahresbedarf einer Familie, das sind 5.000 kWh. Bei starkem Wind schafft sie das sogar in zwei Stunden." Seit 1990 engagiert er sich bereits im [?], dem regionalen Energienetzwerk Nordfrieslands, über das ca. 700 Windkraftanlagen mit zusammen rund 1.200 MW Leistung zusammengeschlossen sind. "Das ist schon fast ein halbes Kernkraftwerk", freut sich Gunnar. In letzter Zeit investiert er auch viel Zeit im Planungsbeirat des örtlichen Bürgerwindparks. Hier sollen Anlagen für weitere 4 x 3 MW entstehen.
Ebenso ist er in Sachen Solarenergienutzung aktiv. Auf seinen Hallendächern werden auf 1.000 qm 80.000 kWh/Jahr erzeugt. Die Hälfte davon verbraucht der Betrieb selbst, mit dem Überschuss zahlt sich die Anlage in 15 Jahren selbst ab. Warmwasser fürs Wohnhaus produziert er durch Sonnenkollektoren.
"Ziel war für mich von Anfang an, zwei Standbeine zu haben und keine Selbstausbeutung zu betreiben", erklärt der Erdbeer- und Energie-Bauer. Dass ihm das so gut gelungen ist, war keineswegs selbstverständlich, als er 1993 den seit fünf Jahren brachliegenden Hof seiner Eltern übernahm. "Die Flächen waren völlig verbuscht, das Land musste erst urbar gemacht werden", erinnert er sich. Es gab auch wenig brauchbare Maschinen – und außer dem Grund und Boden kein Eigenkapital. "Mir war von Anfang an klar, dass die Vermarktungswege das A und O sind," und so stand er bereits mit Waren anderer Betriebe auf den Märkten, bevor er dazu kam, selbst zu produzieren. Inzwischen ist er gut ausgestattet, um seine Arbeit effizient erledigen zu können. Zusammen mit seinen Mitarbeitern, auf dem Hof im Sommer bis zu 30, im Winter vier, für den Marktverkauf 10–12.
Auf die Frage nach seiner Firmenphilosophie lacht Gunnar: "Zufriedene Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter!" Die Mitarbeiter haben viel Freiheit für eigenverantwortliches Arbeiten und sind mit Freude bei der Sache. "Ich freue mich auch, wenn ich merke, die Leute sind mit dem Betrieb verbunden."
Ziele für die Zukunft? Natürlich haben sie mit Energieerzeugung zu tun! "Ich plane eine Hackschnitzelheizungsanlage, mit der die künftigen Gewächshäuser beheizt werden." Rohstoff ist reichlich vorhanden, durch die vielen Knicks zwischen den Feldern. "Bisher wurden die Buschhaufen aus der Knickpflege im Frühjahr meistens verbrannt, totale Energieverschwendung", schüttelt der Energiebauer den Kopf. "Aber jetzt, wo die Heizölpreise hoch sind und weiter steigen, wird die Knickpflege wirtschaftlich." 40–50 Cent äquivalent zum Energieeinsatz aus 1 l Heizöl kostet Gunnar die Verwertung des Kleinholzes. Macht eine Ersparnis von ca. 50 % – "und ich kann den Preis langfristig stabil halten."
Wofür das ganze Engagement auch gut ist, wird schnell klar, wenn man den liebevollen Vater mit seinem Nachwuchs beobachtet. "Weiter Zeit für die Kinder haben!" ist oberste Priorität. Und Ausgleich schaffen in der Freizeit mit Faustball und Radfahren. Nicht zuletzt "beitragen zu wirklich nachhaltiger Landwirtschaft, Kreisläufe schaffen vor Ort."
Entspannte Zuversicht liegt im klaren Blick des windfrisierten Nordfriesen. Einen wie ihn unterstützt man gern bei der Gestaltung einer gemeinsamen wünschenswerten Zukunft.