„Ich wollt', ich wär ein Huhn“ – dann aber eines auf dem Bioland-Hof Hasenkrug! In großen Ställen mit Wintergarten, ausgedehnten Ausläufen im Obstgarten und auf der Wiese tummeln sich rund 5.000 putzmuntere Hühner und produzieren viele goldgelbe Eier im Jahr. Doch meistens noch zuwenig, um auch die Nachfrage der Kunden nach dem köstlichen Eierlikör zu befriedigen.

„An erster Stelle steht für uns das Wohl der Tiere“, sagte Dieter Greve, der den Familienbetrieb in der sechsten Generation zusammen mit seiner Frau Karin bewirtschaftet. Wenn man ihn zu den Hühnerherden begleitet, weiß man, was er meint. Zufriedenes Gackern umfängt den Besucher, jedes Huhn beschäftigt sich nach seiner individuellen Natur, die Vorsichtigeren nehmen ihre Sandbäder in der Nähe des Stalls, während die Verwegenen weit ins Gelände hinauslaufen und sich an Gras, allerlei Kräutern und heruntergefallenem Obst laben. „Jedes Huhn hat bei uns mehr Platz als von der Ökonorm vorgeschrieben“, erklärt Dieter Greve. Das viele frische Grünfutter sorgt auf natürliche Weise für den kräftig goldgelben Dotter und den guten Geschmack der Eier. Dazu gibt es noch Getreide aus eigenem Anbau. Ergänzend wird Futter mit hochwertigem Eiweiß zugekauft, das die Hühner für eine gute Legeleistung benötigen. „Hier bemühe ich mich darum, möglichst wenig Soja und viel heimische Leguminosen einzusetzen“, erklärt Dieter. Auch aus Umweltschutzgründen, denn Soja hat weite Transportwege, und „die Tiere vertragen zuviel davon nicht gut.“

Ein Kilometer vom Hof entfernt stellt Dieter seine tierische Innovation vor: Ein mobiler Hühnerstall auf einer Grünfläche mitten im Wald – „in dieser Größe der erste mobile Stall in Schleswig-Holstein.“ Platz ist darin für 1.200 Tiere. Wöchentlich wird der 23 t schwere Stall an einen andern Standplatz auf dem Gelände gefahren, damit sich die abgeweidete und zerscharrte Fläche am alten Platz wieder erholen kann. Auf diese Weise steht den Hühnern immer frisches Gras zur Verfügung, der Auslauf wird gleichmäßig genutzt und auch nicht überdüngt. Vielen Krankheiten kann man so einfach „davonfahren“.

Bei Bioland engagiert sich Dieter Greve als Sprecher im Bundesfachausschuss Geflügel, der sich mit allen Fragen der ökologischen Geflügelhaltung befasst und die Verbandsgremien fachlich berät.
Unterstützt wird er von seiner Frau Karin, Meisterin der Hauswirtschaft, die sich zur Kräuterfachfrau und Gesundheitstrainerin im Bereich Ernährung fortgebildet hat. Die pflanzlichen Schätze der Natur für die Gesundheit von Mensch und Tier zu nutzen, ist ihre große Leidenschaft. Für die Hühner macht sie sogar Kräutertee und Dieter lacht: „Die Hühner kriegen diese Sachen erst, wenn das bei uns auch wirkt.“ Mit Geduld und Überzeugung vermittelt Karin wichtige Kenntnisse: „Oft werden die gesündesten Sachen weggeworfen, weil viele Leute gar nicht wissen, dass man das essen kann.“ So klärt sie darüber auf, dass in den grünen Blattpartien vom Porree die meisten Vitamine und Geschmacksstoffe sitzen und dass man das Vitamin-C-haltige Blattgrün des Kohlrabi am besten statt Petersilie zum Gemüse direkt verwendet oder z. B. in Pfannkuchenteig ausbacken kann. „Radieschenkraut ergibt einen zarten, schmackhaften Salat“, erfahren wir staunend „und aus Möhrenkraut kann man eine leckere Soße zubereiten.“

All diese wertvollen und zudem geldsparenden Tipps gibt sie, gemeinsam mit Dieter und unterstützt von den drei inzwischen erwachsenen Kindern am Marktstand an die Kunden weiter. Im Gemüse-Vollsortiment der Greves fallen besonders die vielen Kartoffelsorten aus eigenem Anbau ins Auge. Etliche Sorten hat Hof Hasenkrug im Angebot „für jedes Gericht die richtige Knolle aus unserer Scholle“, erklärt Dieter. „Wir testen alte und neue Sorten an unserem Standort hinsichtlich Geschmack und Eignung für den Öko-Anbau.“ Aus eigenen Streuobstgärten gibt es aromatisches Obst, Apfelsaft und Apfelgelee. Im Frühjahr lockt die gesunde Spezialität Löwenzahnblütensirup. Und – „wenn wir genug Eier über haben“ – an Ostern und Weihnachten auch der heißbegehrte Eierlikör.

„Ich wollte immer Bauer werden“, erklärt der innig mit Tieren und Pflanzen verbundene Landwirt, der auf eine fast 300-jährige Familientradition zurückschauen kann. „Allerdings sagte mein Vater: Bevor du Bauer wirst, lernst du erstmal was Ordentliches!“ So wurde der Sohn zunächst Verwaltungsangestellter und arbeitete im Landwirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein und im damals neu geschaffenen Umweltministerium – während er gleichzeitig im Nebenerwerb begann, sich um den Hof zu kümmern. „Bei meiner Übernahme 1983 war der Hof ein klassischer Milchvieh- und Futterbaubetrieb, mit Schweinezucht und Mast“ erinnert er sich. Als die Milchquote kam, wurde der kleine Betrieb unrentabel, er sattelte um auf Bullenmast, Ackerbau und begann ganz langsam mit der Direktvermarktung von Kartoffeln und Feldgemüse. Stetig stieg die Nachfrage, vor allem nach leckeren Eiern – „da waren unsere zwanzig Mistkratzer schnell überfordert.“

Ein einschneidendes Erlebnis brachte die Familie dazu, ab 1992 konsequent auf Bio umzustellen. Die kleine Tochter vertrug die konventionell erzeugten Lebensmittel nicht. Als die Mutter dann Biogemüse einkaufte, waren die Magenbeschwerden passé. „Das hat an meiner Berufsehre gekratzt“, sagt Dieter. „Ich konnte es nicht länger verantworten, etwas zu erzeugen, was mein eigenes Kind nicht verträgt.“ 1994 bekamen sie die Anerkennung als Bioland-Betrieb, ein Jahr später bauten sie den ersten Stall mit 1.000 Hühnern. Die Möglichkeit der Vermarktung über den Öko-Wochenmarkt Hamburg war dabei eine glückliche Fügung, denn die ersten Jahre des Schwimmens gegen den Strom in dem konservativen Landstrich waren nicht leicht. Die Lage mitten in dem kleinen Dorf Schülp am Nord-Ostsee-Kanal ließ eine Erweiterung des Betriebes nicht zu, darum wurde der Hof nach und nach an den Ortsrand ausgesiedelt. Wegen der geringen Größe des Betriebes musste dies ohne staatliche Hilfe, allein mit eigenen Mitteln „gewuppt“ werden. Selbst unter den Biohöfen mit durchschnittlich 60 ha ist Hof Hasenkrug mit 44 ha immer noch ein Kleinbetrieb, der bedingt durch die Ausweitung der Direktvermarktung und Legehennenhaltung allerdings schon seit über 10 Jahren wieder im Vollerwerb mit mehreren Angestellten bewirtschaftet wird. Aber weiter wachsen möchte der Landwirt gar nicht. „Jeder Betrieb, der wächst, hinterlässt auch einen anderen Betrieb, der aufgibt“, gibt Dieter zu bedenken. Ihm und seiner Frau kommt es auf Lebensqualität an und von ihrem Schatz an Wissen und Erfahrung möchten sie möglichst viel weitergeben.

Schon bisher machen die Greves geführte Besichtigungen auf ihrem Hof und in Vorträgen und Kochkursen vermittelt Karin Rundumwissen vom Anbau und Sammeln der Pflanzen über die richtige Lagerung bis zur Zubereitung leckerer Speisen und wirksamer Mittel für die Hausapotheke. Ein besonderes Anliegen ist ihr, diese essenziellen Kenntnisse Menschen zu vermitteln, die wenig Geld zur Verfügung haben. Im Auftrag von Ministerien, Schulen und Instituten trägt sie diesen Gewinn an Lebensqualität in soziale Brennpunkte. Mit generationenübergreifendem Erlebniskochen bindet sie den Erfahrungsschatz der älteren Menschen mit ein und gewinnt die Jungen über die Freude am gemeinsamen Tun.

Um diesen Ansatz weiter auszubauen, planen die Greves den Aufbau eines Schulgartens und Seminarzentrums für Jung und Alt. „Wir wollen mit festen Gruppen, die sich monatlich treffen, ein Stück Gelände gestalten mit vielen Kräutern und Gemüsen“, beschreibt Karin ihre Vision. Im Verlaufe der gemeinschaftlichen Aufbauarbeit lernen die Teilnehmer alles, was das Bauernpaar an Erfahrung auf dem Gebiet der Pflanzenpflege, -verarbeitung und gesunden Ernährung weitergeben kann. Besucher von Tagesseminaren bekommen eine kompakte Fortbildung zu verschiedenen Themen. Eine Ferienwohnung soll später auch weitgereiste Gäste beherbergen können, die auch jetzt schon die Fortbildungen auf dem Hof gerne nutzen. „Unsere Besucher aus Süddeutschland können es erst gar nicht glauben, wenn sie hier die großen Schiffe durch die Weiden fahren sehen“, lacht Dieter mit Blick auf den 200 m entfernten Nord-Ostsee-Kanal. Eins ist klar: Ein Besuch auf dem Hof mit seinen vielfältig engagierten Betreibern erweitert den Horizont in jeder Hinsicht.