Schon seit vielen Generationen betreibt die Familie Harwege den Bauernhof am Tor zur Göhrde, einem großen Waldgebiet in der Ostheide. Eine breite Palette Feingemüse wird auf dem schönen Demeter-Hofgut zwischen Elbe und dem Höhenzug Drawehn produziert – allein 18 Sorten Tomaten, die Auge und Gaumen begeistern.
„Tomaten und Erdbeeren sind mein Steckenpferd“, lacht Hendrik Harwege und man sieht den vielfältigen Früchten an, warum sie ihn begeistern: gelbe, rote, schwarze, grüne Tomaten, kleine Wild-, Cocktail- und Cherrytomaten, aber auch dicke, saftige Fleischtomaten, dazwischen eierförmige Früchte verschiedener Größen und welche, die ganz normal aussehen, aber geschmacklich ihresgleichen suchen. Auf 1.000 qm Gewächshausfläche wachsen 3.500 Pflanzen, die pro qm 20–40 kg produzieren. Über Abnehmer muss Hendrik sich keine Sorgen machen: „Die Leute lieben unsere Tomaten!“ Eine Ausweitung des Tomatenanbaus in einem neuen Foliengewächshaus in bereits in Planung.
Auch der Erdbeeranbau wird gerade ausgeweitet, auf 5.000 qm mit früh-, mittel- und spätreifenden Sorten, z. B. die besonders aromatische Korona, deren empfindliche Früchte den Kunden nur auf kurzem Wege erreichen können.
Von den 45 ha Land, die zum Hof gehören, bewirtschaftet Hendrik 17 ha selbst, der Rest ist verpachtet. Auf 7 ha betreibt er den Gemüseanbau, 7 ha sind Wald, aus dem er Holz für die Beheizung der Wirtschaftsgebäude gewinnt und 3 ha sind Weideland für die acht Rinder und zwei Esel. „Wir gehören zu den wenigen Gemüsebetrieben, die noch eine eigene Rindviehhaltung betreiben“, bemerkt Hendrik. Die Kühe sind in erster Linie Düngerlieferanten, denn Kuhdung spielt im biologisch-dynamischen Anbau eine wichtige Rolle als Bodenverbesserer. Für die Ausweitung des Gemüse- und Erdbeeranbaus will Hendrik dann auch den Kuhbestand aufstocken. Und die Tiere können sich bereits auf einen ausgebauten Offenstall mit 2.000 qm Winterwiese freuen, „denn die haben ja auch in der kalten Jahreszeit mal das Bedürfnis, sich am Baum zu schubbern.“ Das Winterheu bezieht Hendrik von einem befreundeten Bauern, der 70 ha renaturierte Elbwiesen pflegt.
Der Boden, ein Relikt der letzten Eiszeit, weist in diesem sanfthügeligen Gelände sehr unterschiedliche Qualität auf: „Wir haben hier zwischen 25 und 80 von 100 Bodenpunkten“, erklärt Hendrik. Das weiß er sich für den Gemüseanbau zunutze zu machen. Die Kohlsorten lieben den gehaltvollen Boden mit hohem Lehm- und Schwarzerdeanteil, während Salat und Bundmöhren gerne auf dem leichteren anlehmigen Sandboden stehen. Durch den langen Bio-Anbau seit 1985 und die Bodenpflege mit Kompost und Kuhmist ist der Boden noch stetig verbessert worden. „Eigentlich hat hier nur 3–4 Jahre konventioneller Landbau stattgefunden, davor war der Anbau ja noch traditionell ohne Gift und Kunstdünger“, berichtet Hendrik. Sein Opa war auch so weitsichtig, zahlreiche Hecken zwischen den Anbauflächen anzulegen. Hier tummeln sich viele Nützlinge wie Igel, Singvögel und Mäusebussard, so dass Hendrik kaum ein Problem mit Schnecken hat. Außerdem geben sie Windschutz und verringern den Wasserverbrauch. Für Nützlinge und Bienen lässt Hendrik auch immer mal wieder einen „Chaosstreifen“ stehen, mit Himbeeren und Wildblumen. Nur Feldhasen und Wühlmäuse ärgern ihn manchmal. „Hier gibt es drei Feldhasen und die lieben Sellerie und Kohl – aber sie haben ja gerade Schonzeit“, schmunzelt Hendrik, der die gelegentlichen Attacken eher sportlich nimmt.
Mit dem Vater und Söhnchen Hannes leben drei Generationen auf dem Hof. Vater und Sohn teilen sich die Arbeit und – nicht selbstverständlich – „die Zusammenarbeit läuft gut“, freut sich Hendrik. Seit 1628 ist die Familiengeschichte auf diesem Fleck Erde dokumentiert. Dennoch war Hendrik nicht darauf festgelegt, das Familienerbe fortzuführen. „Meine Eltern haben mir gepredigt, dass ich was Ordentliches machen soll“, grinst der Jungbauer, „aber es war, seit ich laufen konnte, klar, dass ich Bauer werden will. Ich wollte immer Trecker fahren!“ Das macht er auch noch heute mit Leidenschaft, das einzige Problem bei den Landmaschinen sieht Hendrik in dem hohen Energieverbrauch. Deshalb hat er vor kurzem den ganzen Fuhrpark erneuert – und braucht jetzt mit sparsameren Motoren deutlich weniger Diesel.
Auf dem hübschen und vielfältigen Hof ist vor allem im Sommer viel Leben. Ein Gebäude mit Gästezimmern und Küche steht Ferienarbeitern der weltweit agierenden Initiative WWOOF – World-wide opportunities on organic farms – zur Verfügung, das gerne genutzt wird. 5–6 Stunden helfen die jungen Leute aus aller Welt täglich auf dem Feld oder im Verkauf mit, lernen eine Menge über ökologischen Anbau und haben dafür freie Kost, Logis und Familienanschluss.
Der Betrieb hat noch drei feste Mitarbeiter und drei Aushilfen im Verkauf, aber 80–90 Wochenstunden kommen für Hendrik – inkl. 60 Std. im Marktverkauf – schon zusammen. Dennoch sagt er: „An sich haben wir einen geilen Job! Arbeit an der frischen Luft, freie Zeiteinteilung, ich bin viel bei der Familie und sehe meinen Sohn aufwachsen – wer hat das schon?“ Dazu kommt die Freude über die begeisterten Rückmeldungen der Kunden zu seinem köstlichen Gemüse.
Hendrik blickt mit Optimismus in die Zukunft. „Wenn mein Sohn dann groß ist, möchte ich ihm einen Betrieb übergeben können, der ökologisch und wirtschaftlich gesund ist.“ Und dann kann Sohnemann auch gern frei entscheiden, was für ihn ein „ordentlicher Beruf“ ist.