Das Angebot des Gemüsegärtner-Teams aus der Hemdinger Heide begeistert den visuellen Ästheten ebenso wie den lustvollen Genießer. Susanne Brandes, Hennig Frenßen und Torsten Schädlich kultivieren den Sinn für das Besondere, für alte und ausgefallene geschmackvolle Sorten, die das Bewusstsein für eine wunderbare Welt weit über den Tellerrand hinaus öffnet.

Die tiefe Liebe zur Erde ist allen dreien gemeinsam. Begeistert führen sie durch ihre Felder voller Überraschungen für Augen und Gaumen – knackige Möhren und Mangoldstängel in allen Farben, Blutampfer mit roter Blattzeichnung, riesige, butterzarte und scharfe Radieschen. Über 20 verschiedene Salatsorten winken mit teilweise auffallenden Blättern und seltsamen Namen wie Hirschzunge, Fritzi Joe und Forellenschuss. Dazu kommen ähnlich viele Kräuter und geschmackvolle Tomatensorten. „Letztes Jahr habe ich über 30 Sorten ausprobiert“, erzählt Gärtner Torsten. Davon blieben die besten im Sortiment; nach weiteren spannenden Genüssen hält er ständig Ausschau.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Pflege der Bodenfruchtbarkeit. In diesem Jahr hat Torsten neben eigenem Kompost auch verrotteten Pferdemist ausgebracht. Das scheint dem Bodenleben gut  zu bekommen, unterm Stroh wimmelt es von Krabbeltieren und Würmern, die die Erde lockern und zu einer feinkrümeligen Humusstruktur beitragen. Ein paar Blattläuse oder Raupen auf den Pflanzen nimmt er gelassen: „Wir leben ja nicht in einer sterilen Umwelt.“ Die Philosophie des Biogärtners ist sowieso eine andere als des Farmers mit der Giftspritze: “Wir versuchen nicht, Schädlinge zu bekämpfen, sondern ein Klima zu schaffen, in dem es den Pflanzen gut geht.“ In einem solchen gesunden Gleichgewicht gibt es keine Epidemien.

Bei der Ernte lässt Torsten besondere Sorgfalt walten. Saubere Schnittflächen an der richtigen Stelle, das Abspülen und Befeuchten mit Brunnenwasser sorgen dafür, dass sich die empfindliche Ware auch noch Stunden später auf dem Marktstand wie soeben frisch geerntet präsentiert. Damit die Kunden bei der Vielfalt auch auf den richtigen Geschmack kommen, lässt Susanne gerne mal probieren. Wer hätte z.B. gedacht, dass die so robust aussehenden Stumpen mit Namen Ochsenherz äußerst delikate Knabbermöhren sind? Das Geschmacksgeheimnis der runden Pariser Karotte muss man allerdings zuhause lüften: Die entfaltet ihr feines Aroma am besten als Gemüse sanft gedünstet, mit einem Flöckchen Butter. Oder die Gelbe Bete, die lecker süßlich schmeckt wie ihre rote Schwester, aber das Essen nicht so radikal färbt und von manchen auch besser vertragen wird.

Mit allerlei fertig zusammengestellten Sortimenten erleichtern Susanne und Hennig den Kunden die Qual der Wahl. Die drei vorgefertigten Salatmischungen, zusammen mit ausgewählten Kräutern küchenfertig angerichtet, sparen auch noch Zeit und sind ein herrlicher Vitalcocktail. Liebhaber von Basilikum finden Sträuße mit vier spannenden Sorten zum Vernaschen. Ein einfaches Rezept für ein exquisites Dinner hat Susanne auch gleich parat: „Pesto aus frischem Zitronenbasilikum, Pinienkernen, Olivenöl, frisch geriebenem Parmesan, dazu frische Nudeln und gebratene Scampis, hmmm!“

Die tiefe Naturverbundenheit der drei befreundeten Partner wurzelt in ihrer jeweiligen Kindheit: „Wir sind alle Bauernkinder!“ Das Wühlen in der Erde, die Düfte von Kräutern und Heu, das Schwelgen in der Fülle von eigenem Obst und Gemüse gab ein Gefühl tiefer Befriedigung und legte den Samen für das spätere eigene Tun. Sie wurden auch alle bereits in der Kindheit sensibilisiert für die sukzessive Zerstörung der Umwelt, gerade auch durch die konventionelle Landwirtschaft. „Die Vielfalt an Tieren wurde immer weniger, alte Autos wurden einfach in Tümpel gefahren“, erinnert sich Hennig schaudernd. Dazu kamen die erwachenden politischen Aktivitäten und schließlich noch die aufrüttelnde Katastrophe von Tschernobyl. „Plötzlich durfte ich draußen nicht mehr barfuß laufen – das war total schrecklich“, erinnert sich der damals elfjährige Torsten. „Da war für mich klar, dass es nur noch eine Richtung gibt.“ Für die Familien der grünen Rebellen war der Ausbruch des eigenen Nachwuchses nicht leicht zu verkraften. Susanne schmunzelt: “Mein Bruder Willi und ich waren solche Querschießer und meine Mutter fragte sich, warum ausgerechnet ihre Kinder so daneben sind.“ Aber auch für die jungen Bio-Pioniere war die Verwirklichung ihrer Überzeugungen am Anfang nicht leicht: „Was machen die denn da“, wurden wir vom Nachbarn beäugt. „Warum können die über ihr Unkraut nicht mal mit der Spritze rübergehen?“

Heute genießen sie das gewachsene Umweltbewusstsein und  kultivieren mit Leidenschaft neue Genüsse und besondere Angebot für ihre Kunden. Aktuell bewirtschaften sie 1.500 qm im Gewächshaus und 1,5 ha im Freiland. Im Herbst sollen nochmal 3 ha dazukommen. Auch ein neues Gewächshaus steht an. Und nach langen Jahren der Betriebsentwicklung ist es immer noch nicht einfach, über die Runden zu kommen: „Die Margen im Gemüsebau sind einfach gering“, erklärt Susanne. „Wenn die Leute einmal sehen, welche Arbeit es ist, so einen Salat zu ziehen, dann verstehen sie, wie der Preis zustande kommt. Und sagen sogar selbst, ihr habt ein super Preis-Leistungsverhältnis!“

Zu zeigen, wie sie arbeiten und das Bewusstsein um ökologische Zusammenhänge weiterzuvermitteln, ist den dreien ein besonderes Anliegen. In Planung ist, jedes Jahr ein großes Hoffest zu veranstalten, auf dem die Kunden mit allen Sinnen erleben können, welches Glück es ist, mit der Erde zu arbeiten. Und dass sie durch ihren Einkauf an der Gesundung eines Paradieses teilhaben, das mit immer neuen, köstlichen Überraschungen aufwartet.