Kaum zu zählen sind die Tiere, die den Bio-Pionieren im Frischfleischhandel Brigitte und Heiner Fricke ein glückliches Leben verdanken – und die Kunden, für die noch in den 80er Jahren der Geschmack natürlichen Fleischs ein völlig neues Gaumenerlebnis war. Heute präsentiert sich dem Genießer wie selbstverständlich ein breites Angebot köstlicher Frischfleisch- und Wurstwaren, Schinken und Salaten aus eigener Herstellung nach höchsten Qualitätsstandards.

Der Familienbetrieb der Frickes betreibt im besten Sinne Handwerkstradition: „Wir fassen jedes Stück Fleisch und Wurst noch selbst an“, betont Heiner Fricke. Die frisch angelieferten Tierhälften werden sauber zerlegt, nach Rezepten des Hauses verarbeitet und im eigenen Laden und über die Öko-Wochenmärkte verkauft. Darüber hinaus beliefert der Betrieb Kindergärten, Kantinen, Restaurants und Wiederverkäufer.

Heiner Fricke kennt die Herkunft von jedem Tier, das bei ihm angeliefert wird und pflegt persönlichen Kontakt zu den Bauern aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. „Wir kaufen nur Bio-Verbandsware, das erfüllt höhere Standards als EU-Bio“, erklärt Heiner Fricke. Die Tiere laufen sommers auf guten Weiden mit niedriger Besatzdichte und werden im Winter im offenen Laufstall gehalten, in dem sie sich frei bewegen können. Wachstumsfördernde Mittel und vorbeugende Medikamentengaben wie Antibiotika sind tabu. Robuste Rassen, gesundes Futter aus hofeigenem Anbau oder von einem anderen Bio-Betrieb und die artgerechte Haltung lässt auf natürliche Weise gesunde Tiere heranwachsen, die ihr Leben fast  doppelt so lange genießen können, wie ihre Artgenossen aus konventioneller Haltung. „Das Fleisch hat so seinen Urgeschmack – völlig anders als das konventionelle Produkt“, konstatiert Heiner Fricke.

"Ich kann selbst bestimmen, von welchem Hof ich die Tiere mit der richtigen hochwertigen Qualität abnehme", erklärt Heiner Fricke. Gerne arbeitet er z.B. mit dem Fielmann-Betrieb Hof Lütjensee zusammen, der auf insgesamt 2.000 ha vor den Toren Hamburgs vorbildliche Öko-Landwirtschaft betreibt. "Hier haben die Tiere richtige Luxusställe", schmunzelt Heiner Fricke. Die Bauern selbst bringen ihre Tiere stressfrei zum regionalen Bio-zertifizierten Schlachtungsbetrieb. So bleibt die Nachvollziehbarkeit gewährleistet.

Auch dank des guten Angebotes ist die Nachfrage nach Biofleisch in den letzten Jahren gestiegen. Der Betrieb aus Ellerbek im Landkreis Pinneberg läuft heute gut mit 23 Mitarbeitern und man kann sich kaum noch vorstellen, mit welchen Schwierigkeiten die Frickes am Anfang zu kämpfen hatten. Initialzündung für die Geschäftsidee war das Reaktorunglück von Tschernobyl – und die umweltbedingte Pseudokrupp-Erkrankung  einer Tochter. „Plötzlich hat es bei uns 'klick' gemacht“, erinnert sich Brigitte Fricke. 1989 löste sich Heiner Fricke vom Fleischgroßhandel seines Vaters und die beiden stürzten sich in ein Abenteuer, das lange Jahre harte Aufbauarbeit mit sich brachte. „Wir bekamen dabei keinerlei Subventionen oder sonstige Förderungen,“ merkt Brigitte Fricke an. „Das nötige Kapital haben wir durch den Verkauf unseres Hauses aufgebracht.“  Zutiefst überzeugt vom richtigen Weg bauten sie den Betrieb mit 100% Eigenleistung auf. Als Gründungsmitglieder des Öko-Wochenmarktes sind sie dann mit der Entwicklung des Marktes gewachsen.

Große Schwierigkeiten bereitete anfangs der Bezug der Rohware in der geforderten Qualität. „Es gab z. B. fast keine Bioschweine“, erinnert sich Heiner Fricke. Auch mit der Logistik und Verlässlichkeit haperte es vorne und hinten. „Da wurden sechs Rinderhälften zugesagt und dann  wurden nur zwei geliefert.“ Skurrile Geschichten waren an der Tagesordnung: „Da kam ein Bauer und brachte eine geschlachtete Kuh im Kofferraum mit einer Decke zugedeckt.“ Eine andere Lieferantin fuhr ihre Schweinehälften im Hänger auf dem Stroh an, auf dem sie die lebenden Tiere vorher zum Schlachter gebracht hatte. Eine Frau brachte ihre Gänse in voller Federpracht vorbei. „Wie, Sie wollten sie gerupft? Davon hat mir keiner was gesagt!“

Bei allen Stolpersteinen blieben die Frickes jedoch ihren Geschäftsgrundsätzen treu und sorgten dafür, dass die Kunden höchste Qualität verlässlich erreicht. „Wir wollten einfach all das, was auch eine herkömmliche Schlachterei macht, nach ökologischen Standards anbieten“, erklärt Heiner Fricke und liefert dazu gleich noch eine Anekdote. Mit Schlips und Kragen erschien er zu einem Verkaufsgespräch bei einem großen Verlagshaus. „Wo möchten Sie hin“, wird er dort gefragt. „Zu Herrn Schulz? Das geht jetzt nicht, da kommt gleich so ein Ökofuzzi zur Besprechung.“ „Der Ökofuzzi bin ich“, räuspert sich Heiner amüsiert, während ihn sein Gegenüber entgeistert von Kopf bis Fuß taxiert. „Na, da gehen Sie gleich mal durch...“

Die Betriebsräume in Ellerbek, in denen die Frickes anfangs reichlich „Raum zum Tanzen“ hatten, sind mittlerweile mehr als ausgelastet. „Ein bis zwei Produktionsräume könnten wir noch gut gebrauchen“, meint Heiner Fricke, auch der Maschinenpark soll erweitert werden. Bei der Produktion wird Wert auf ökonomischen Umgang mit Ressourcen gelegt. Mit der Abwärme der Kühlmaschinen, die 24 Stunden am Tag laufen, wird über einen 1.000 l-Wasserspeicher das Warmwasser für den Betrieb erzeugt.

Was die beiden Überzeugungstäter froh macht und immer wieder anspornt, ist die Zufriedenheit der Kunden. Dafür tun sie eine Menge. Bei Betriebsbesichtigungen können Interessenten Einblick in den Produktionsprozess nehmen. Auch Kindergärten kommen immer wieder zu Besuch. Gerade hat Heiner Fricke ein Gewinnspiel unter den von ihm belieferten Kindergärten verlost:  Der Hauptgewinn ist ein Ausflug von Bioland-Gut Stegen in Bargfeld-Stegen. Die dreißig Kinder werden sich dort einen Tag lang zwischen den Tieren tummeln und viel über die besondere Tierhaltung erfahren. Natürlich werden auch Frickes leckere Würstchen gegrillt. Das Wohl der Kinder liegt den beiden besonders am Herzen. So ist ein Außendienstmitarbeiter allein dafür abgestellt, die Kindergärten zu besuchen um zu erfahren, was der Betrieb vielleicht noch besser machen kann. Für die Marktkunden halten Frickes am Verkaufsstand Kundenkarten bereit. Bei jedem Einkauf gibt es einen Stempel und wenn die Karte voll ist, eine leckere Belohnung.

Ihre sozialen Werte leben die Frickes nicht zuletzt auch gegenüber ihren Mitarbeitern. Ein guter Kontakt ist ihnen wichtig, jeder trifft mit Problemen auf offene Ohren und Unterstützung, denn „wenn es den Mitarbeitern gut geht, geht es auch dem Betrieb gut.“ Außerdem sind gute Fachkräfte einfach Mangelware. „Ideen hätten wir noch genug, aber – man bekommt einfach nicht das Fachpersonal dafür!“ Frickes selbst arbeiten schon seit langem daran mit, die Situation zu verbessern, und das mit viel Engagement. 15 Lehrlinge wurden hier bisher ausgebildet, „aus allen ist etwas geworden“, freut sich Heiner Fricke. „Man macht dabei ganz viel Erziehungsarbeit, die jungen Leute sind ja erst 16, 17 Jahre alt.“ Einer hat die Gesellenprüfung sogar mit Auszeichnung bestanden. Und ausgerechnet der, dem man dies am wenigsten zugetraut hatte. Der russlandstämmige Alex sprach am Anfang kaum deutsch. So stiftete ihm sein Chef einen Sprachkurs, den der ehrgeizige Lehrling als Chance ergriff. Bei der Freisprechung wurde ihm eine Auszeichnung als Bester des Jahrganges von der Handwerkskammer verliehen. „Was dieser junge Mann für Energie aufgebracht hat, das zu schaffen, da ziehe ich den Hut vor“, erklärte sein Berufsschullehrer. Inzwischen hat er nebenbei den Führerschein gemacht, geheiratet und zwei Kinder bekommen und die Meisterprüfung erfolgreich bestanden.