Wie man aus dem persönlichen Lieblingsgericht eine beglückende Mission aufbauen kann, lässt sich bei der Nudelei besichtigen: „Unsere Nudeln machen glücklich“, sagen Franziska und Swen Werner über ihre Bio-Frischnudeln. Ihre Leidenschaft für Qualität und ihr unerschöpflicher Erfindungsreichtum verlocken, in Abwechslung zu schwelgen oder sich zu den ganz persönlichen Glücksschmankerln durchzuschmausen.
Basilikum-Tomate-Parmesan, Walnuss-Gorgonzola oder Preiselbeer-Mascarpone – wem laufen bei diesen Namen nicht schon alle Gewässer im Mund zusammen? Um die 70 verschiedene Nudelprodukte, Pesti, Soßen und Kräuterbuttern umfasst das Angebot von Franziska und Swen – und immer wieder kommt etwas Neues hinzu. Swen sprüht täglich vor neuen Geschmacksideen und würde sie am liebsten sofort umsetzen. „Gut, dass Franzi mich dann erstmal bremst, wenn ich schon den Telefonhörer für die Zutatenbestellung in der Hand habe“, schmunzelt er. Denn ein Produkt, das den hohen Ansprüchen der beiden genügt, muss gut durchdacht sein – und dann gibt es oft noch eine erhebliche Entwicklungszeit, bis alles optimal stimmt. „Bis unsere Lasagne perfekt war, hat es anderthalb Jahre gedauert“, erklärt Swen. Geschmack, Konsistenz, Produktionsablauf, Verpackung – alles kostete viel Überlegung, Ausprobieren und kritische Tests. Das finale placet geben die Kunden – und die finden die Lasagne toll. „Das ist Gaumensex!“ lacht Swen, der sich diebisch freut, wenn er Kunden für eine neue Geschmacksschöpfung hinreissen kann.
Darum kreist auch die Produktphilosophie der beiden Inhaber: „Auf den Nudeltaschen, unserem Hauptprodukt, liegt die Geschmackspriorität.“ Sprich, die Nudeltaschen sollen auch wirklich so schmecken, wie sie heißen, „man muss mit geschlossenen Augen schmecken können, ahh, das ist die Spinat-Schafskäse-Tasche.“ Füllstoffe wie Semmelbrösel oder sonstige Hilfsmittel kommen den Nudelspezialisten nicht in die Tasche. Auch empfiehlt Swen, keine Soße dazu zu essen, die das Aroma übertünchen würde. Höchstens eine der zehn delikaten Kräuterbuttersorten: „Die schmilzt man als Geschmacksnuance über die Taschen“, erklärt er balsamisch.
In der Produktionsküche der beiden Geschmackskünstler wird reine Bioware hergestellt. Alle Nudeln werden klassisch ohne Ei produziert. Fast alle Zutaten kommen aus regionaler Erzeugung, das Fleisch beziehen sie von der Fleischerei Fricke. Nur Parmesan und Hartweizengrieß werden aus Italien importiert. „Hartweizen wächst nur in Italien, der braucht viel Sonne“, erklärt Swen.
Dann sind im Angebot noch die vier Sorten Maultaschen, die Swen mit gemischten Gefühlen betrachtet. „Ein Überbleibsel aus unserer Anfangszeit als konventioneller Betrieb“, berichtet Swen. Diese traditionell hergestellten Maultaschen werden als Fertigprodukte zugekauft. „Wir wollten sie ausmustern, aber die Kunden haben danach gefragt, also sind sie erstmal dabeigeblieben.“
Seit 2002 haben Swen und Franziska ihren Betrieb in Bremervörde, die ersten vier Jahre produzierten sie konventionell. Davor war Swen zehn Jahre lang Verkaufsleiter im Spargelbetrieb des Bruders. „Aber es war immer klar, dass ich mich irgendwann selbständig machen würde.“ Als er Franziska traf, entdeckten sie ihre gemeinsame Leidenschaft für Nudeln. „Ich esse seit dem dritten Lebensjahr Nudeln. Das ist einfach meins“, konstatiert Swen. Ein Existenzgründerseminar vermittelte das nötige Handwerkszeug, „dann bauten wir eine 20 qm-Küche und los ging's mit uns beiden!“
Selbst nach der langen Zeit täglicher beruflicher Beschäftigung mit demselben Produkt gilt: „Bei uns gibt es jeden Tag Nudeln – in allen Variationen.“ Was die vier Kinder der beiden ebenso begeistert, wie ihre Eltern. Auch, dass diese es schaffen, bei ihrem anspruchsvollen Job noch ausreichend Zeit für sie zu haben: „Zeit mit der Familie zu haben ist essenziell, denn die kann man später nicht zurückdrehen.“
Nach wie vor haben die beiden großen Spaß an ihrer Arbeit – und mittlerweile 26 Mitarbeiter in ihrem brummenden Geschäft. Eine Zukunftsvision ist, „auf dem Wochenmarkt eine super Verköstigung hinzukriegen“, sinniert Swen. „Das Produkt ist perfekt dafür, die Zubereitung dauert nur drei Minuten. Ich träume von so `nem Doppeldeckerbus...“
Man darf gespannt sein auf die weitere Entwicklung. Mit leuchtendem Blick erklärt Swen: „Ich möchte, dass der Kunde mit einem Lächeln den Marktstand verlässt. Er muss noch nicht mal was kaufen. Wenn er einfach was erlebt hat, ist das – n a c h h a l t i g.“