Eine besondere Welt von natürlicher Schönheit entdeckt, wer in die florale Fülle von Anna Barnstorfs Blumenmanufaktur eintaucht. Während die junge Floristin mit sicherem Gespür für das Zusammenspiel von Formen und Farben Kunstwerke aus zarten Malven, leuchtenden Zinnien, verspielten Löwenmäulchen und duftenden Kamillen zusammenbindet und dabei anregend über Herkunft, Bedürfnisse und Mythologie der Pflanzen plaudert, wird klar: Blumen sind ihr Leben!
Kaum zu glauben, aber von der Fülle der Blütenpracht wächst der Großteil direkt auf Hamburger Boden: „80% der Blumen kommen aus Vierländer Gärtnereien“, erklärt Anna Barnstorf, „jedenfalls in der Saison zwischen April und Oktober.“ Die Floristin kennt die Gärtner gut, von denen sie die Ware täglich frisch auf dem Hamburger Großmarkt einkauft. Über Uwe Knackfuss bezieht sie vor allem regionale Rosen, große wärmeliebende Sorten importiert er aus Süddeutschland und Ecuador. Dabei wird auch auf Herkunft und Aufzuchtbedingungen geachtet. „Ich habe immer gequengelt, dass wir auch mal ökologische Ware anbieten wollen.“ Annas Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt, inzwischen gibt es einige Importsorten aus Bio-Anbau, manche tragen das FLP-Siegel, das für sozial- und umweltschonende Produktion steht.
„Gleich ruft Thomas Bittkau an“, sagt sie, „ der steht dann in Gummistiefeln auf dem Acker und fragt, was er mir schneiden soll.“ Gärtner Bittkau zieht auf Bestellung von Anna unter anderem Dahlien, Malven, Schleierkraut, Löwenmäulchen und Euphorbien und fährt sie taufrisch auf den Großmarkt – „die Dahlien von Thomas sind so frisch, dass sie quietschen!“ Von Rainer Witt kommt farbenfrohe Sommerware wie Zinnien, Kamille und Klee. Und Heino Stoop liefert hübsche Besonderheiten wie rosa Gräser. Dabei ist alles naturbelassen – und Anna versteht es, den natürlichen Zauber zur Entfaltung zu bringen. In ihrem ästhetischen Empfinden ist sie leidenschaftlich: „Ich hasse diese ganzen eingeflogenen Sachen, die so plastikartig aussehen.“
Leidenschaft ist es auch, die sie jeden Morgen um drei Uhr aus dem Bett springen lässt und auf dem Weg zum Großmarkt, wenn noch kaum ein Mensch unterwegs ist, die aufgehende Sonne zu begrüßen. „Um diese Zeit ist das ganze Fußvolk noch nicht unterwegs, da bekommt man die besten Sachen“, zwinkert sie. Außer von ihren regionalen Gärtnern kauft sie hier und da noch ergänzende Ware aus europäischer Aufzucht zu. „Es ist herrlich, diese wunderschönen Dinge einzukaufen – das ist wie Shoppen gehen“, schwärmt Anna und ihren leuchtenden Augen sieht man an, dass dabei bereits im Geiste die Kreationen für ihre Kunden entstehen.
Sträuße, Gestecke und Kränze für den Marktstand und allerlei Veranstaltungen, Familienfeiern und Events bindet Anna in ihrer kreativen Werkstatt in Ammersbek, „dort habe ich auf dem Hof einer netten alten Dame einen niedlichen Schuppen gemietet.“ Am liebsten arbeitet sie an der frischen Luft, wo sie ihre Schätze ausbreitet und stilvolle Gebilde für den jeweiligen Anlass gestaltet. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht,“ lächelt sie, „Ich verkaufe etwas, was die Menschen glücklich macht oder sie tröstet und bekomme jeden Tag Bestätigung dafür.“
Mit Abitur und zwei Fremdsprachen ausgestattet, einem Auslandsaufenthalt in Madrid, hätten der aufgeschlossenen Frau auch andere berufliche Wege offengestanden. Dass sie sich schon in jungen Jahren für einen Weg entschieden hat, der sie zunächst eher seelisch als monetär bereichert, verdankt sie auch dem Rückhalt in ihrer Familie und Partnerschaft. Nachdem sie durch Ausbildung und Praktika in verschiedenen Betrieben erkannt hat, was sie anders machen würde, eröffnete sie nach einem Jahr Vorbereitungszeit im Mai 2008 ihr eigenes Unternehmen. Und ganz Gestalterin lacht sie: „Das erste Betriebsauto habe ich nach der Farbe ausgesucht.“
Was sie antreibt, ist auch der Wille, die Region mitzuentwickeln: „Es tut mir in der Seele weh, die leeren Treibhäuser in den Vier- und Marschlanden zu sehen.“ Damit nicht noch mehr Gärtnereibetriebe aufgeben müssen, „ist es wichtig, die richtigen zu unterstützen“, erklärt sie. Die, denen der Erhalt der Natur und eine gute Zusammenarbeit ebenso wichtig sind, wie ihr. Für die Kunden ist der Einkauf regionaler Ware zudem günstiger als die eingeflogenen Exoten. „Im Sommer bekommen sie sooo einen Strauß für 15 Euro“, und Anna beschreibt mit den Händen einen großen Kreis.
Aber auch wenn die Vegetation hier ruht, versorgt Anna ihre Kundschaft mit farbenfrohem Seelenfutter oder stimmungsvollen Gestecken. Zwiebelgewächse aus dem Treibhaus und ein größerer Anteil von Ware aus dem südlichen Europa machen es möglich. Nur wenn es kälter ist als – 10°C verzichtet sie auf den Marktverkauf. „Das hat weniger damit zu tun, dass ich die Blumen am Stand nicht frisch halten kann, sondern die Kunden müssen sie ja auch heil nach Hause bringen“, erklärt Anna. Und freut sich auf die Zeit, wenn auch hier wieder alles wächst und blüht.
Gesundes Wachstum ist nicht nur Voraussetzung für Annas Ware, sondern auch Zukunftsvision für ihren Betrieb. Seit kurzem unterstützt sie ein freier Mitarbeiter auf dem Markt. In einer kleinen „Gartenlounge“ verkauft er für sie Topfpflanzen, Kränze, Gestecke und Deko-Accessoires, während sie sich auf Gestaltung und Verkauf von Schnittblumen konzentriert. Mit den passenden Kooperationspartnern will sie den Betrieb nach gemeinsamen Wertmaßstäben nach und nach ausbauen. Auf kreative Bereicherung darf man gespannt sein: „Ich platze vor Ideen, aber kann das alles noch nicht gleich umsetzen – der Tag hat zuwenig Stunden!“