Die so ästhetisch arrangierte Fülle an Salaten und Kräutern, farbenfrohen Pilzbouquets, leuchtenden Gemüsesorten und lachenden Früchten offenbart: Hier sind Künstler am Werk. Viola Gietzelt-Fleischhauer und Martin Fleischhauer haben ihre Leidenschaft für Natur und lebendige, frische Nahrungsmittel zum Beruf gemacht – und beglücken damit auch die Kundschaft, die natürliche Vielfalt und liebevolle Darbietung schätzt.
Nördlich der Elbe, in den Vier- und Marschlanden, betreiben die beiden Hamburger ihren Demeter-Gärtnereibetrieb. Auf 1,5 ha wachsen jede Menge Salate und um die 50 verschiedene Kräuter. Viele alte und besondere Sorten wie der würzige Hirschhornwegerich oder wiederentdeckte Wildkräuter wie die Vitamin-C-haltige Vogelmiere laden zu kulinarischer Erkundung ein. Oder wie wäre es mit einem Sieben-Kräuter-Strauß für die Frankfurter Grüne Soße? Gebrauchsfertige Salat- und Kräutermischungen erleichtern die Zubereitung – und regen an zu eigenen Experimenten.
Die Fruchtgemüse für das umfangreiche Marktsortiment bezieht Hof Sommerfeld von regionalen Kooperationspartnern. Von Biolandhof Bartsch kommen sieben Sorten Tomaten, Rennig Söffker liefert Spargel und Erdbeeren und die Demeter Gärtnerei Sannmann alles, was das üppige Gemüsesortiment kulinarisch und optisch ergänzt.
Dass die beiden einmal auf eigener Scholle im weitläufigen Hamburger Süden ackern und gestalten würden, war nicht vorgezeichnet. Lange hatten sie im quirligen Ottensen gelebt. „Wir waren mit in der aufkeimenden Ökoszene, wo über die Weltrettung diskutiert wurde“, erzählt die Diplom-Kauffrau Viola. „Ich bin das Thema für mich über die Nahrungsmittel angegangen: Weg von der Selbstvergiftung, hin zu einer Ernährung, die einem guttut.“ Das Angebot in den ersten Bioläden konnte qualitätsbewusste Menschen nicht zufriedenstellen: „Da gab es am Anfang nur vergammeltes Gemüse.“ Also begannen sie in ihrer Mietwohnung für den Eigenbedarf allerlei Naturschätze zu verarbeiten – selbstgesammelte Kräuter trockneten auf der Wäscheleine, Obst wurde eingekocht, Brot selbst gebacken und sogar Kaninchen für die eigene Wurst abgezogen. „Ich habe mich schon als Jugendliche für Kräuter interessiert und Marmeladen gekocht“, erzählt die Naturfreundin. Partner Martin begann dann als Gärtner bei Sannmann zu arbeiten und schließlich war es ein natürlicher Schritt, die angestrebte Selbstversorgung auf dem Land aufzubauen.
Mit viel Elan stürzten sich die Jungunternehmer in ihre selbstgewählte Herausforderung: „Wir haben praktisch auf der grünen Wiese angefangen“, berichtet Viola, „hier gab es nichts außer ein paar alten Bäumen.“ Ab 1997 bewohnten sie den Hof zur Miete, der dann Grundstock ihres eigenen Betriebes wurde. Nach und nach machten sie die weitgehend brach liegenden Flächen urbar, pflanzten Bäume, Hecken, einen Obstgarten. Heute bewirtschaften sie 6 ha, auf 4 ha extensivem Grünland laufen zwei Ponys und ein Schwein. „Das wird aber nicht geschlachtet, die Tiere sind unsere Mistlieferanten“, merkt Viola an. Auch viele andere Tiere haben Platz gefunden in dem mittlerweile reichen Ökotop: Frösche, teilweise seltene Vogelarten und zahlreiche Insekten sind in den ehemals nahezu toten Raum zurückgekehrt. In Kooperation mit dem Naturschutzbund werden Wohnungen und Unterschlupfe für Eulen, Singvögel und weitere Nützlinge gebaut. „Was wir hier machen, ist Naturraum-Gestaltung.“ Als Ausgangsvision erklärt die kreative Frau: „Wir wollten einen bäuerlichen Kleinbetrieb in seiner ganzen Vielfalt schaffen.“ Das Paar bildet dabei ein Team, das sich gut ergänzt: Während Viola mit neuen Ideen Projekte initiiert, kümmert sich Martin um die konsequente Umsetzung. Sie entdeckt neue Sorten an Kräutern und Salaten, er integriert die Schätze in den Anbau, sorgt für das Gedeihen, die Ernte und den Verkauf. Dass andere Menschen die Produkte, die Martin und Viola für ihre eigene Lebensqualität hier erzeugen, auch schätzen, macht die Sache rund. Nach mehreren Jahren der Umstellung auf biologischen Anbau sind sie längst etablierte Anbieter auf dem Öko-Wochenmarkt, den sie früher selbst als Kunden besucht haben.
Nun, wo das große Ziel geschafft ist und der Betrieb gut läuft, beginnt der Wunsch nach mehr Freiraum für künstlerische Tätigkeiten aufzukeimen. „Wir suchen einen Gärtner, der Lust hat, hier selbstverantwortlich mitzugestalten“, sagt Viola. Ein Kooperationspartner könnte sich „ins gemachte Nest“ setzen und hätte gleichzeitig Raum für die Umsetzung eigener Visionen. Gärtner Martin freut sich ebenso auf Mitwirkende wie auf mehr zeitlichen Spielraum für eigene kreative Herausforderungen.
Ein neues Projekt ist bereits in Planung: „Wir wollen gern Hühner halten, die die Eier für unseren Marktverkauf liefern.“ Die geplante Herde von 30 Tieren wird frei auf dem Gelände laufen können und eine Fülle an Kräutern, Schnecken und Insekten zum Schnabulieren vorfinden. Die Sommerfeld-Eier – eine exklusive Spezialität nur für Direktkunden, die die Philosophie der Naturraum-Gestalter spiegeln: Vielfalt, Individualität und Lebensqualität.