„Wir sind Fachleute auf dem Gebiet der Frische“, erklärt Uwe Behncken, der zusammen mit seiner Frau Petra neben 4 ha eigenem Gemüseanbau auch mit Bioware im Großmarkt Hamburg handelt. Auf 1000 qm Marktfläche bekommen Wiederverkäufer bei ihm Gärtnereierzeugnisse aus aller Welt, wie sie vom Acker, Baum oder Strauch kommen. Denn Behnckens Leidenschaft gehört den hochwertigen, unverarbeiteten Urprodukten.

Am liebsten bezieht Uwe Behncken die Erzeugnisse aus der Nachbarschaft, z. B. vom Demeter-Gemüsehof Sannmann, mit dem er eng kooperiert. Aber auch zu allen anderen Quellen, sei es Europa oder Übersee, pflegen er und seine Mitarbeiter persönliche Kontakte, schauen sich Betriebe, Menschen und Arbeitsweise vor Ort an. „Gerade im Biobereich ist es sehr wichtig, die Ware persönlich auszusuchen“, betont er. Seine Kunden können sich auf die Herkunft aus soliden Biobetrieben und gute Produkte verlassen. Dieses Qualitätsdenken steckt ihm von klein auf im Blut. Bereits als Zehnjähriger bot er auf dem Marktstand seiner Mutter selbstgezogenes Gemüse an. „Der Wochenmarkt war unheimlich interessant für mich, da hat man den Lohn seiner Arbeit auf dem Land bekommen“, berichtet er. „Für mich zählte nicht nur das Geld, sondern auch die Anerkennung. Wenn ich schlechte Ware hatte, habe ich sie lieber weggeschmissen als verkauft.“

Der Handel mit biologischen Frischwaren macht heute den Großteil seiner Geschäftstätigkeit aus. Seit Beginn seiner selbständigen Tätigkeit 1984 ist er schon auf dem Großmarkt, wo er mit einem 20 qm-Stand anfing und allmählich gewachsen ist auf heute rund 1000 qm. „Es war gar nicht geplant, dass wir so expandieren“, schmunzelt er, „wir haben nur immer, wenn sich die Gelegenheit bot, mal wieder eine Fläche dazugenommen.“ Jetzt ist für ihn, mit insgesamt 30 Mitarbeitern, die Wachstumsgrenze erreicht, damit er noch ausreichend Zeit für alle an ihn herangetragenen Belange hat und das Betriebsklima so gut bleibt, wie es ist. Seine Mitarbeiter sind mitverantwortliche Partner, mit Grundgehalt und Prämienzulage auf Erfolgsbasis. Wie Selbständige haben sie im Blick, was für ihren Bereich erforderlich ist und entwickeln den Betrieb mit Engagement und eigenen Ideen gemeinsam weiter. „Hier hat jeder seine Philosophie und wir lernen voneinander“, lacht Uwe.

In der Gärtnerei selbst sind „viereinhalb“ Mitarbeiter tätig. Auf 2.000 qm Gewächshausfläche pflegt Behncken seine Tomaten, auf 4 ha Freiland baut er verschiedenste Gemüse und Salate an „und alles, was wir arbeitsmäßig nicht anders schaffen, wird mit Hokkaidos bepflanzt.“ Die sind auf dem Markt beliebt, wachsen schnell, sind pflegeleicht und müssen hier in den Vierlanden wie alle Gemüse mit etwas längeren Wurzeln nicht bewässert werden: Die Vier- und Marschlande liegen um die 0 Höhenmeter, waren früher Elbe-Überflutungsgebiet und wurden durch Eindeichung und Drainage der Natur als landwirtschaftlicher Lebensraum abgerungen. Die vielen Gräben dienen nun sowohl der Ent- wie auch der Bewässerung und halten den Grundwasserspiegel konstant auf etwa 0,6–0,8 m Bodentiefe.

Uwe Behncken gehört zu den ersten Wagemutigen, die auf Bio-Anbau setzten. Bereits zwei Jahre nach der Übernahme der früheren Blumen- und Zierpflanzengärtnerei von seinem Vater und der Umstellung auf einen Gemüsebetrieb zog er die Konsequenzen aus einer, wie er sah, verhängnisvollen Entwicklung. Durch den Kunstdünger-Einsatz wurden die Pflanzen immer anfälliger, das machte den Einsatz von immer mehr Chemie notwendig. Gleichzeitig sanken die Preise, so dass er gezwungen war, immer mehr auf derselben Fläche zu erzeugen. Dazu kam, dass die künstlich getriebene Ware immer schlechter wurde: „Man konnte nicht mehr stolz darauf sein“, sagt der qualitätsbewusste Gärtner.

Der Ausstieg aus diesem Teufelskreis durch die komplette Umstellung auf Bio-Anbau ergab zunächst Spannungen mit dem Vater, der fürchtete, der junge Betriebsinhaber würde mit den neuen Ideen den Betrieb ruinieren. Aber Uwes Überzeugung und sein zweites Standbein als Händler brachten ihn gut über die Durststrecke der Umstellung. Seit 1986 ist er zertifizierter Bioland-Betrieb. Seine Jungpflanzen zieht er selbst „damit keine Krankheiten eingeschleppt werden.“ Die Tomaten und andere Gemüse werden dann robust, ohne zusätzliche Beheizung und ohne Behandlungsmittel aufgezogen, er verzichtet auch auf im Biobereich erlaubte Präparate zur Schädlingsbekämpfung. Seine vielfältige, kleinparzellierte Anbaufläche, mit schilfbewachsenen Gräben durchzogen, ist ein Ökosystem, in der das Gemüse keinen Leidensdruck hat. „Eine Laus geht ungern auf eine Kulturpflanze, wenn sie was anderes hat“, erklärt Uwe. „Wir lassen sie einfach sitzen und wenn es mehr werden, kommen die Vögel und futtern sie auf. Wenn wir dagegen spritzen würden, würden wir das ganze Ökosystem zerstören.“ Zum Lohn für den konsequent ökologischen Ansatz tummeln sich in den Gräben auch wieder reichlich Fische, Frösche und Aale. Bei der Gerätescheune hat ein Feldhase sein Zuhause. „Die paar Blätter Salat, die der frisst, gönnen wir ihm“, schmunzelt Uwe über das wilde Hofmitglied.

Für den Eigenbedarf halten Behnckens noch ein paar Hühner, zwei Laufenten helfen die Schnecken in Schach zu halten und auf einer Streichelwiese springen ein paar Zwergziegen zwischen zwei gemütlich grasenden Schafen. Zur Freude der Kunden, die gelegentlich den Hof besuchen. „Ein Biohof sollte immer offene Türen haben“, findet Behncken. Das gilt ebenso für Kontrolleure, die er schon eingeladen hat, sie könnten auch ruhig unangemeldet erscheinen. „Wir haben eine Größe erreicht, in der wir sehr stark im Visier der Behörden stehen“, bemerkt Uwe. Was besonders in der Zeit von EHEC der Fall war. „Zwei Wochen lang war ich beschäftigt, Stellung zu nehmen und den Behördenmitarbeitern alle möglichen Fragen zu beantworten.“ Was er jedoch gerne tat, denn er wollte den Fall auch im eigenen Interesse zügig aufklären helfen. „Wir wurden dabei als Musterbetrieb für die Nachvollziehbarkeit von Vertriebswegen in der Branche herangezogen“, so findet Behncken in dem kritischen Vorfall doch noch sein Gutes.

Helfen ist auch der Kern seines Engagements als Oberbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr Kirchwerder. Im Schnitt wird er alle drei Tage zu einem Einsatz gerufen, davon 90 % Sanitätseinsätze, aber auch Umweltdelikte und Krankentransporte – oft kennt er die betroffenen Menschen persönlich. Und ist hier wie dort seiner Maxime treu: Ein verlässlicher Partner zu sein, in einem vernetzten Miteinander aus Umwelt, Familie, Mitarbeitern und „den Menschen insgesamt“.